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Sonntagskolumne // Küchentalk

3/20/2016


Die letzte Woche war schulisch gesehen total entspannt. Hier zwei Stunden, immer spät angefangen, also der Traum eines jeden Schülers. Als ich dann an so einem Tag schon kurz nach zwölf zu Hause war, saß meine Mutter in der Küche. Weil ich mir mein Mittagessen kochen wollte, saßen wir also gemeinsam in der Küche und haben über alles Mögliche geredet.

Ist euch schon einmal aufgefallen, das Küchen irgendetwas an sich haben, jedenfalls werden dort immer die großen Probleme und Weltbewegenden Fragen gewälzt. Alles Wichtige wird in der Küche gesprochen. Gespräche unter Freundinnen. Mutter Tochter Gespräche, große Streits, bei denen auch mal Scherben springen. Vielleicht bin ich da auch ein Sonderfall, aber für mich haben Küchen etwas Besonderes. Den Wohlfühfaktor. Safezone.
Ich will mich nicht verändern um dir zu imponieren will nicht den ganzen Abend Probleme diskutieren
Als wir dann also so in der Küche waren, meine Mutter sitzend, ich am Gemüse schneiden. Fing es an mit Beziehungen, die ständige Suche nach etwas besserem, die unserer Generation so innewohnt. Die Unentschlossenheit, das zwischen den Türen stehen. Treue, aber anders. Wir in der Schnittstelle zwischen der Genration ohne alles und der, der Technik. Aufgewachsen als 90’s Kids, ohne alles, hineingewachsen in das Zeitalter der Technik. Irgendwie immer noch auf der Suche nach der goldenen Mitte. Alte Konventionen über Bord geworfen, doch die neuen schmecken auch nicht so wirklich. Vielleicht gibt es unsere Genration gar nicht, weil wir weder das eine noch das andere sind. Der Bruch. Ein Teil gehört zum Alten, ein Teil zum Neuen. Gute Räte werden meistens ignoriert: ich muss meine eigenen Erfahrungen machen. Trotzdem, wenn die Welt dann mal einstürzen sollte finden wir uns zuhause wieder, bestenfalls in der Küche.

Meine Mutter hat auch zu so einer zerrissenen Genration gehört. Mit 21 ist die Entwicklungsphase und Identitätsfindung meistens abgeschlossen und jetzt stell dir vor, genau an diesem Zeitpunkt sagt dir jemand: alles, was du bisher so gekannt hast, alle Regeln und allem voran die Lebenseinstellung ist so nicht korrekt. Die Mauern werden geöffnet. Wortwörtlich. Was macht man dann als junger Mensch, der gerade dachte, sich gefunden zu haben. Klar, man begibt sich erneut auf die Suche.
Ich will nichts garantieren was ich nicht halten kann will mit dir was erleben besser gleich als irgendwann
Plötzlich ruft meine  Mutter: Das Lied kenn ich, dass haben wir früher immer im Westradio  gehört. Ich war überrascht, da das Lied eigentlich relativ neu ist, aber meine Mutter konnte mitsingen. Also schnell mal Google gefragt, wie man das bei uns ja mit so gut wie allem macht, was man sich nicht selbst beantworten kann. Und siehe da: Ursprünglich kommt es aus der Zeit meiner Mutter. Von früher also und für die heutige zeit resampled. Generationsübergreifend also.

Ohne dich schlaf ich heut Nacht nicht ein ohne dich fahr ich heut Nacht nicht heim Ohne dich komm ich heut nicht zur Ruh das was ich will bist du 
klicken und reinhören 

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