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Sonntagskolumne // Gedankensprünge

9/04/2016


Ich sitze hier, in diesem Hotelzimmer. Einem, der vielen in welchen ich die letzten Wochen war: Ich sitze einfach nur da und schaue aus dem Fenster. Sehe diese wunderschöne Landschaft, welche mich an andere Orte erinnert. Orte, an die ich noch gehen möchte. Orte, die ich noch sehen möchte. Orte, an denen ich noch nicht war, die mir aber trotzdem am Herzen liegen.

Draußen ist es kalt. Darauf war ich nicht vorbereitet. Nicht auf so eine Kälte. Hier ist der Herbst, der kommende Winter spürbar. Doch ich freu mich auf die kalte Jahreszeit. Den Tee.  Kuschelige Socken, Decken und Betten. Geschichten, Kerzen und Lichter. Geborgenheit.

Ich habe immer noch keine Idee, wovon meine Sonntagskolumne handeln soll. Wenn ich in mich hinein höre, dann ist da nichts was nach mir ruft. Was danach ruft, herausgeschrieben zu werden. Die Worte, die sonst nur so aus mir heraussprudeln, die meine Finger fast magisch über die Tastatur gleiten lassen und mich in einen Schreibrausch fallen lassen, die schweigen. Schon die ganze Woche über. Ob es sich komisch anfühlt? Ja, definitiv. Es ist ein seltsames Gefühl, wenn der doch immer so laute Kopf und Gedankenwirrwar plötzlich schweigt. Dabei wünscht man sich doch manchmal, dass er genau das tut. Es ist kein negatives Schweigen, keine Ruhe vor dem Sturm. Mehr so ein ausgeglichenes Schweigen, eine innere Ruhe.

Die Dinge, die sich zu Hause abspielen, die mich dort beschäftigt haben, die sind zu weit weg. Weit genug weg, um nicht bis hierher durchdringen zu können. Hier spielen sie keine Rolle und das ist gut so.

Die letzten zwei Sätze machen mich ein wenig traurig. Wenn es mir damit so geht, wird es den anderen genauso ergehen? Das Entfernung, Dinge unbedeutend werden lässt. Vielleicht sogar jene Dinge, die ziemlich bedeutsam waren? Lässt sie, die Entfernung, Wort nichtmehr durchdringen? Nimmt sie ihnen die Kraft und lässt sie verschwinden, verschwimmen?

Verschwommen. Das ist deine Sicht, wenn du weinst. Wann hast du das letzte Mal geweint? Aus einem Grund oder aus keinem?

Ich genieße den Abstand. Zu meiner Welt zu Hause. Nicht weil ich ihrer Überdrüssig geworden bin, sondern weil ich diesen Abstand, diese Pause dringend gebraucht hab. Genau weiß ich nicht, woran es lag, aber zu Hause hat mich in letzter Zeit ziemlich unglücklich gemacht. Es war einfach der Overkill an Einflüssen und Dinge, die sich summiert haben.

Außerdem war es gut, dass ich gegangen bin, weil ich dadurch nicht zurückgelassen wurde, zumindest nicht zu hundert Prozent. Wenn zwei gehen und einer zurückkommt, ist keiner geblieben. Keiner zurückgeblieben…oder?

Gut das die Straßen, unserer Stadt, diesmal keine Geschichten erzählen sondern einfach nur Straßen sind. Unschuldig und Nichtssagend, unbedeutend. Die Orte, an denen wir waren sind verborgen, sowie alles was wir waren, nicht waren und sind. Genau das macht das ganze besonders. Bedeutend. Keiner je hinter ihre Bedeutung kommen. Sie gehören mir und dir.

Oder wie es in Casablanca so schön heißt: "Uns bleibt immer Paris“

Paris wird uns nicht bleiben, so weit haben wirs nicht geschafft. Was uns bleiben wird, sind die Nächte. Die werden immer uns gehören. Was ist wenn genau das unser kleines Paris war. Lass Paris Metapher sein, für Dinge mit Bedeutung. Also frag ich euch: Was war oder ist euer Paris?

Wenn ich so zurückblicke, bin ich überrascht. Überrascht, wie ich alles gemeistert habe, wie ich mich verändert habe. Paris hat mich verändert, das Leben hat mich verändert. Es verändert uns alle. Ständig. Schleichend oder manchmal Radikal, mit einem Schlag. Wir wachsen und reifen und das ist auch gut so. Man kann nicht immer bleiben, wer man war. Denn das Leben zeichnet uns alle. Gib uns Geschichten mit auf den Weg. Die wir erzählen können und werden. Dann wiederum gibt es auch Geschichten, die wir erzählen wollen, aber nicht können, oder jene, die wir nie erzählen werden, weil sie dann an Magie einbüßen würden.


Die heutige Sonntagskolumne ist gezeichnet von Gedankensprüngen. Kreuz und quer. So wie das eben ist. Ich war schon immer der Typ Querdenker, selbst beim laufen, mach ich Schlenker, ganz unbewusst. Wer will schon das alle gerade läuft, nehmen wir lieber ne Abkürzung, die sich am Ende als Umweg entpuppt. Bei dem man dann das ein oder andere mitnimmt. 

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