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Sonntagskolumne // Eigenwahrnehmung vs Fremdwahrnehmung

8/08/2016

Die Wahrnehmung ist schon so ein ziemlich verrücktes Ding. Fremdwahrnehmung, Eigenwahrnehmung. Was vermittele ich dem anderen? Was will ich eigentlich mitteilen? Wie kommt es letztendlich an?

Ich war letztens auf einer sagen wir Feier. Viele alte Freunde, neue Gesichter und vor allem jene, die man lange  nicht gesehen hat. Es war also eine Mischung zwischen Wiedersehen, Altbekanntem und Kennenlernen. Sobald irgendwo mehr als Zehn Leute zusammensitzen, fängt die Sache mit der Grüppchenbildung an. Einige seilen sich ab, andere tauschen sich über die alten Zeiten oder andere Themen aus, da kann es ganz schnell passieren, dass man den Anschluss verpasst und dann etwas verloren zwischen den anderen herumgeistert. Oder man weiß einfach nicht genau, wie man ins Gespräch kommen soll, da man die alten Bekanntschaften und Freunde ja so lange nicht mehr gesehen hat.

Ich finde es immer ziemlich schade, wenn ich auf größeren Partys Leute sehe, die verloren wirkend, etwas abseits stehen. Ich versuch dann immer ein Gespräch anzufangen oder ihn oder sie in eine in meinen Augen passende Gruppe zu integrieren. Wir sind ja schließlich alle hier, um Spaß zu haben und wer weiß, was man sich alles entgehen lässt, wenn man nur von außen zuschaut.

Jedenfalls war da dieser Freund, Schulkamerad X. Nennen wir ihn einfach Jan. Jan war alleine da. Kannte die meisten nicht oder wollte die Leute von früher nicht (wieder er-)kennen (?). Wie dem auch sei. Ich hatte meiner Freundinn, der Gastgeberin versprochen mich Jan gegenüber zu benehmen. Das klingt jetzt fast so, als würden wir uns absolut gar nicht ausstehen könne, so ist es nicht. Wenn wir aufeinander treffen, dann ist das nur ungefähr so, als würde man Öl ins Feuer gießen. Noch nicht mal im negativen Sinne, aber so ungefähr könnte man es umschreiben.
Jan war also alleine da und wirkte auf mich recht verloren, also dachte ich mir: Kümmerst du dich um ihn, damit er nicht so alleine auf einer Party rumhängt. Ich hab mir dann größte Mühe gegeben, kein Feuer zu machen, um dem Öl keinen nährenden Boden zu geben. Hab ihn den Leuten vorgestellt und was man halt so macht.

Eigenwahrnehmung: Freundlich, manchmal vielleicht ein wenig gestichelt, Gut gemeint, Versucht und Bemüht

Bei Jan kam das ganze vollkommen anders an.
Fremdwahrnehmung: Die klebt mir am Arsch, die Bitcht mich die ganze Zeit an, kann die sich nicht um ihren Kram kümmern?, Was will die? (Ungefähr so)

Wie kann es sein, dass meine ursprüngliche Intention so falsch rüber kam. Das die Bemühung so überhaupt gar nicht ankam, sondern völlig missverstanden und in einen anderen Kontext gerückt wurde? Im Endeffekt ist es schade und rückblickend hätte ich mir das ganze wirklich sparen und mein Feuer anlassen können. Ich war nett, hab mich bemüht und wurde mit Arschlochverhalten abgespeist. Manchmal ist Gut gemeint und Bemüht eben doch nur ein ziemlicher Schuss nach hinten. Wahrscheinlich ist unsere generelle Einstellung zueinander auch mit daran schuld. Aber muss man sich wirklich völlig verbohrt auf einen Sachverhalt versteifen? Man kann doch auch was Neues zulassen und wer weiß, wenn unsere Wahrnehmungen ein klein wenig überlappt hätten, hätte es ja möglicherweise auch ziemlich lustig werden können. Ich mein ja nur.

Doch Wahrnehmung, zumindest die Fremdwahrnehmung hat irgendwo dann doch ziemlich viel mit Schubladen zu tun. Du wirst wahrgenommen und Zack, steckst du in irgendeiner Schublade, in der du dich eigentlich gar nicht siehst und in die du unter Umständen überhaupt nicht reinpasst. Und egal wie nobel deine Absichten waren, wenns schlecht läuft kommt am anderen Ende das völlige Gegenteil an. Schade, aber nicht zu ändern wenn Eigen- und Fremdwahrnehmung eben keinen Konsens finden.


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