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Um Worte ringend kämpfen, wieder und wieder

10/16/2016


Ich finde es bescheuert, dass ich bei keinem der bisherigen Abschiede den Mut hatte, zu zeigen, wie sehr ich dabei bin dich gern zu haben. Stattdessen steh ich einfach nur da, während in meinem Kopf all diese ungesagten Worte versuchen sich einen Platz nach draußen zu kämpfen. Dahin wo man sie hören kann. Während ich also versuche Worte zu finden die gerade richtig sind, weder zu viel noch zu wenig, warte ich irgendwie auch auf ein Wunder. Die Geste, die mir zeigt, dass ich mich nicht irre. Weil Symbiosen alleine entgegen ihrer Bestimmung funktionieren.

Wie oft spielen sich in deinem Kopf Szenen ab, in denen du dir vornimmst zu reagieren. Mal komplett auszupacken, dem Gegenüber alles an den Kopf zu werfen, was so in dir ist und zwar so lange bis alles Feuer aufgebraucht ist. Wie oft hast du dir Worte zurechtgelegt, um nicht worteringend dazustehen, weil du nicht weißt, wie du das, was du sagen willst am besten verpackst. Weil es ja auch richtig ankommen soll. Nur um dann am Ende, trotz der wohlüberlegten Worte, um Worte zu ringen.

Ja verdammt, es ist bescheuert. Aber wenn wir ehrlich sind, zu uns selbst: Wir kennen alle solche Situationen. Erleben sie oft genug wieder und wieder, um uns jedesmal zu sagen: „Nächstes mal machst du‘s. Wirklich.“ Dann nimmt man sich das ganze auch vor. So wirklich von Herzen, bastelt im Stillen weiter daran bedeutungsvolle Sätze, banal klingen zu lassen. Aber nicht belanglos. „ich will das dieses Mal richtig machen. Wirklich.“ Doch letztendlich ist das wie mit den Neujahrsvorsätzen, einfach nur daher gesagt. Obwohl es ja wie bereits erwähnt bescheuert ist. Kurz gesagt, man schießt sich damit selbst ins Bein. Im Grunde bin ich ja dann diejenige, die sich ärgert und bereut, die am liebsten alles nochmal resetten möchte nur um …? Um was eigentlich genau? Um wieder zu scheitern? Und dann gleich nochmal? Wieder und wieder. Als hätte Prinz Pi den Soundtrack dazu geschrieben.

 „Wir wollen fliegen, doch wir fallen hin, wir müssen's wieder probieren und dann wieder probieren, ich mein, was kann passieren? Außer, dass wir wieder verlieren und dann wieder verlieren“

Am Anfang war das Wort. Schreibt Goethe, in Faust und davor stand es auch schon in ganz vielen anderen Schriften. Aber wenn am Anfang das Wort Stand, warum ist es dann so schwer es bis zum Ende durch zu ziehen? Wir brauchen Anfang UND Ende, damit man Dinge Beenden kann, weil man sie ja auch Begonnen hat. Eigentlich wird einem doch auch schon von Anfang an beigebracht, dass man alles, was man beginnt auch beenden muss. Wann sind wir zu Abbrechern geworden? Zu jenen, die Dinge nicht bis zum Schluss durchziehen weil sie auf halber Strecke anhalten oder umdrehen.

Weil wir in diesen Momenten gegen uns selbst kämpfen. Kämpfe im inneren führen. Die Kämpfe die keiner sieht, weil sie unsichtbar und unbemerkt sind. Überleg doch mal was das heißt, was das heißen könnte. Wenn jemand vor dir steht, verzweifelt nach Worten ringend, dann ist er im inneren dabei einen Kampf aus zu tragen. Naja und das Ding mit Kämpfen ist: Man kann sie verlieren! Wieder und wieder. Wenn der Kampf dann verloren ist und der verzweifelte Versuch, die Worte zu finden ins Leere läuft, es Stille heißt und Schweigen. Dann bedeutet das nicht, dass es nichts zu sagen gab oder gibt sondern schlichtweg, dass da zu viel ist was raus will. Obwohl die Sätze zu Beginn noch geordnet waren ist es im richtigen Leben um einiges schwerer sie dann auch raus zu lassen, in den Raum in dem man sie hören kann. Weil sie dann greifbar werden. Vielleicht am Ende nicht ganz so machtvoll sind wie gedacht und erwartet. Wer schweigt kann nichts falsch machen, nichts verlieren.

Aber wir wollen doch fliegen. Und das gibt’s nur mit Risiko und Fall. Also müssen wir es weiter probieren. Wieder und wieder. Mehr als (wieder und wieder) verlieren können wir nicht und dann tragen wir unser Versagen mit Stil. 

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