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Sonntagskolumne // Nichts ist umsonst

1/15/2017


Der Cursor blinkt. Vor mir ein unbeschriebenes Blatt Papier. Wie lange ist es her? Ich kann mich kaum noch daran erinnern. Wie es sich anfühlt. Sich die Seele aus dem Leib zu schreiben. Die Tausenden Gedankenfetzten zu kanalisieren und etwas zu schaffen.

Normalerweise fällt es mir leicht, meine Gedanken und die ganzen Gefühle, die man eben so mit sich herumträgt in Worte zu fassen. Viele Anordnungen aus schwarzen Buchstaben. Manche länger als andere, doch nur gemeinsam sinnvoll genug, um etwas rüberzubringen. Etwas, wovor ich mich drücken wollte, es auszusprechen, daran zu denken oder was ich mal wieder irgendwohin geschoben habe. Einfach um nicht daran denken zu müssen, verdrängt eben. Darin bin ich gut.

Im Moment schiebe ich wieder ziemlich viel von mir weg. Weil der Zeitpunkt um sich damit auseinander zu setzten irgendwie ziemlich unpassend ist. Es gibt keine Zeit um mal völlig unterzugehen oder sich komplett an etwas aufzuhängen. Jede Sekunde muss doch irgendwie, so gut es eben geht genutzt werden. Schließlich steht dieses Jahr viel an. Viel worauf sich später alles aufbauen lassen sollte.

Ich funktioniere also. Manchmal bin ich es leid. Leider ist auch nur eins von vielen Worten um auszudrücken dass es grad nicht passt. Unpassend ist auch das Wetter. Nass und kalt und irgendwie so unmotivierend, um morgens aus dem Bett gehen zu wollen. Es ist dunkel wenn ich gehe und dunkel wenn ich komme, weil die Sonne doch nur scheint wenn die Rollläden gerade auf halbmast stehen. Irgendwie macht das alles hier keinen Sinn, aber Sinnlos ist es trotz allem nicht.

Kurze Pause. Das Tippen verstummt, der Cursor blink. Wieder. Das Blatt vor meinen Augen nun nicht mehr ganz so leer und unbeschrieben wie zuvor. Ob hier viel Gefühl drin steckt? Vermutlich nicht so wirklich. Wen ihr mich fragt, dann gehen wir gerade getrennte Wege. Ich hier und die da. Eigentlich gut so. Entspannt. Aber dadurch fehlt das Leben. Ich kann den Buchstaben kein Leben mehr einhauchen. Sie stehen still und stramm. Sprechen nicht mehr zu mir. So wie sonst.  

Der Cursor blinkt. Und ich weiß, dass es jetzt an der Zeit ist, für mich, diesen doch etwas verzweifelten Versuch, etwas produktives zu produzieren, einzustellen. Verschachtelte Sätze, sie entsprechen meinem momentanen Innenleben. So verschachtelt, dass sich nichts mehr findet, weil irgendwo, irgendwelche Ecken miteinander verkantet sind und die Durchgänge blockieren. Dahinter staut sich alles, mehr oder weniger verschachtelt. Wer weiß das denn schon so genau, wenn man nicht nachsieht. Ich schau nicht nach. Nachher stoß ich mir noch etwas oder mir kommt alles entgegen und begräbt mich unter sich. Außerdem müsste ich dann vermutlich aufräumen. Dafür fühl ich mich auch nicht sonderlich bereit.

Das Tippen verstummt und nur noch der Cursor blinkt. Zeuge eines mehr oder weniger gescheiterten Versuches.

Bild:  via tumblr

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